Warum gibt es in der Liebe kein Happy End?

Ich weiß manchmal nicht, ob ich dieses ganze Liebesspiel noch aushalte. Im Film ist es einfach zu Ende, und dann auch noch gut. Aber im Leben geht es doch einfach nie gut aus. Da kommt der ganze Alltag, und dann ist zwar irgendwann Ende, aber nicht happy.
Judith, 27

Die gesamte Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte nach dem Happy End. Wenigstens in der biblischen Version. Da wurden zwei füreinander gemacht, und ihr Happy End schien wirklich gleich das Ende der Geschichte zu sein. Essen war einfach so da, von Arbeit konnte keine Rede sein, Adam und Eva alterten nicht, sie standen nie miteinander im Stau zum Urlaubsort oder in der Supermarktschlange, tagsüber ritten sie auf Zebras und nachts unterhielten sie sich mit dem Löwen über vegane Vollwertkost.
Die Bibel schweigt darüber, ob dieser Zustand vier Tage oder dreißig Jahre anhielt. Sie sagt bloß, dass das Happy End irgendwann einmal vorbei war.
Auf einmal wurde alles ziemlich schwierig, die Menschheit lernte Liebe nicht mehr, ohne Ende denken zu können, so wie sie Rumsitzen nicht mehr ohne Hämorrhoiden denken konnte und Austern nicht mehr ohne Sodbrennen.
Leben hieß nun: Arbeit und trockener Boden und Aufrüstung und Wiederaufrüstung und Nachrüstung und Furunkel und insgesamt: zu wenig.
Und Liebe hieß, dass es vorbeigeht, dass dem gerade noch saftigen Hintern der Saft ausgeht, dass die Rechnungen zuverlässiger kommen als die Liebespartner, dass die Haare der Liebsten erst grau werden und dann so dünn, dass sie blau gefärbt und aufgetürmt werden müssen, dass man aufeinander hockt und sich zu fern ist oder getrennt lebt und sich zu sehr einengt, dass es anders viel besser hätte laufen können und am Ende doch genauso.
Unser Leben nach dem Happy End: Gott mag uns nicht mehr.
Aber im Ernst: Wie viele Abende will man sich schon über vegane Vollwertkost unterhalten und dann auch noch mit Löwen? Heute hat unser Verhalten Konsequenzen, aber ein folgenloses Leben heißt eben auch, dass alles gleichgültig ist. Ess ich halt jeden Tag Pudding und lächel dich an dabei, heute, morgen und übermorgen und überüberübermorgen und fahr noch einmal Wasserski mit den befreundeten Wasserbüffeln und nochmal und nochmal und nochmal und YEAH! ein Zebraritt. Juchee.
Da hat man doch lieber etwas Erkenntnis und dafür den ganzen Stress, das Kribbeln und das Zittern und das Aufregen und das Trauern.

Leben!
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