Wieso gibt mir unsere Paararbeit kein gutes Gefühl?

Immer heißt es, man solle an seiner Beziehung arbeiten. Das mache ich! Einmal in der Woche setze ich mich mit meiner Frau zusammen. Der eine redet, der andere hört zu, sodass man richtig erzählen und richtig aufnehmen kann. Ich lese auch Bücher von Paartherapeuten und schaue mir mit ihr Filme an, die sie mag. Ich arbeite hart, aber es bleibt das Gefühl, zu wenig getan zu haben. Irgendetwas scheint trotzdem nicht zu stimmen. Jochen, 45
In einer Zahnpastafabrik gab es folgendes Problem: Immer wieder kam es vor, dass die Schachteln, in denen die Tuben stecken sollten, die Fabrik ohne Tube verließen. Der Kunde jedoch erwartet Zuverlässigkeit und Zahnpasta, und so setzte der Vorstand der Fabrik einiges daran, das Problem zu lösen.
Auswärtige Experten wurden engagiert, und einige Monate später hatten sie eine Lösung entwickelt: Präzisionswaagen setzten einen Alarm in Gang, woraufhin das Fließband anhalten und ein Arbeiter die leere Schachtel vom Band nehmen würde. Danach müsste der Arbeiter nur einen Schalter bedienen, und die Produktion ginge weiter.
Billig war die Lösung nicht, insgesamt hatte ihre Entwicklung einige Millionen Dollar verschlungen, aber es war zu erwarten, dass sie zuverlässig sein würde. Und tatsächlich gab es von nun an kaum noch Beschwerden; der Vorstand war zufrieden.
Als er sich jedoch die Berichte ansah, entdeckte er  Erstaunliches: Statt des erwarteten Dutzend lag die Anzahl der aussortierten  Schachteln pro Tag stabil bei null. Der Vorstand konnte sich dieses Phänomen nicht erklären, also suchte er die Produktionsstätten auf – und fand einen Ventilator, der dort eigentlich nicht hingehörte. Der Ventilator war einen halben Meter vor den Präzisionswaagen angebracht und blies gegen das Fließband, gerade so heftig, dass die leeren Schachteln in einen Mülleimer flogen, während die vollen Schachteln weiterruckelten. Es stellte sich heraus, dass der Arbeiter, der auserkoren war, auf den Alarm hin die leere Schachtel auszusortieren, zu faul gewesen war, bei jedem Alarm aufzustehen.
Der Urheber der Geschichte ist nicht mehr auszumachen, zunächst trug sie sich in einer japanischen Seifenfabrik zu, dann formte sie wohl ein brasilianischer Blogger um. Das Motto des Bloggers: „Lass Probleme sich selbst lösen.“ Die Geschichte ist ein Lob der Cleverness, die aus Faulheit entsteht.
Wie geht das zusammen mit dem Auftrag, an seiner Beziehung zu arbeiten?
Beziehungsarbeit kann nur heißen, auf etwas achtzugeben, das im Grunde gut ist. Und dann muss man nur pusten, wenn es ein Problem gibt. Aber von Grund auf eine Beziehung erarbeiten, ohne dass man selber Freude daran hätte, das geht nicht.

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2 Gedanken zu “Wieso gibt mir unsere Paararbeit kein gutes Gefühl?

  1. Ist es nicht etwas wenig oder besser gesagt schematisch, wenn man sich nur einmal in der Woche mit seinem Partner zusammensitzt und Probleme ausdiskutiert? Das kommt einem vor, als hätte ein Therapeut gesagt: so mach das jetzt dann und dann so und so. Fehlt nur noch, dass er das Gesprächsthema vorgegeben hat. Hier müsste doch statt einem Plan Kreativität und Individualismus an den Tag gelegt werden. Genauso wie das bei der Lösung von betrieblichen Problemen normalerweise funktioniert. Regeln von Therapeuten zu folgen, deren ganze Wissenschaft doch eher auf Beobachtungen basiert, die aber nie verallgemeinert werden können, da der Mensch ja ein Individuum ist, das kommt einem echten Realisten sehr suspekt vor. Probleme mit dem Partner lassen sich nicht nach einem Schema F lösen. Hier muss man ganz von Fall zu Fall vorgehen. Vielleicht sollte man sich jeden Tag etwas Zeit für einander nehmen oder mehrfach in der Woche. Einmal das erscheint allerdings etwas dürftig.

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