Ist es komisch, dass ich Angst vor Ablehnung habe?

Ich bin Single und hätte gerne eine Freundin. Immer wieder sagen mir Freunde, ich solle einfach häufiger weggehen, dann würde ich auch ein Mädchen kennenlernen. Aber aus Erfahrung weiß ich, dass ich sowieso niemals ein Mädchen ansprechen würde, weil ich Angst habe vor einem Korb. (Felix, 19)

Jeder wird von Ängsten begleitet. Diese Ängste können ganz unterschiedlich sein. Was für den einen ein ständiger Schrecken, ist für den anderen überhaupt nicht wahrnehmbar als Problem. Aber wie verschieden die Ängste auch sein mögen, jeder hat sie.

Der eine hat Angst davor, dass er im Alter ohne Versorgung dasteht, der andere vor Spinnen. Man würde denken, die Angst vor dem Tod sei universell, aber ich habe genug Menschen kennengelernt, die keinen Gedanken daran verschwenden, sich  aber davor fürchten, vor mehr als drei Leuten zu reden.

Der Comedian Jerry Seinfeld hat angesichts des Umstands, dass Leute mehr Angst haben vor öffentlicher Rede als vor dem Tod, einmal darauf hingewiesen, dass die Besucher einer Beerdigung lieber mit dem Menschen im Sarg als mit dem Trauerredner tauschen würden.

Jeder von uns hat seine privaten Schreckensfantasien. Die Angst begleitet uns also. Und das ist in Ordnung. Was die Angst nicht darf: uns lähmen. Sobald man merkt, dass die Angst einen in seinem Alltag behindert, muss man sie überwinden. So ist es zum Beispiel objektiv seltsam, in einem sich mit rasender Geschwindigkeit bewegenden Hohlraum den Ozean zu überqueren.  Trotzdem sollte man sich nur wegen des mulmigen Gefühls nicht vom Fliegen abhalten lassen.

Und darum geht es bei Ihnen. Sie wollen gerne, lassen sich aber von Ihrer Angst abhalten.
In der Sprache der Yámana, einem auf Feuerland lebenden Volk, gibt es das dem Guinness-Buch der Rekorde zufolge „prägnanteste Wort“. Mamihlapinatapai heißt es und bedeutet: „Das Austauschen eines Blickes zwischen zwei Personen, von denen jeder wünschte, der andere würde etwas initiieren, was beide begehren, aber keiner beginnen will.“

Kommt es im Rahmen einer Party zwischen zwei Menschen zu Mamihlapinatapai, dann folgt darauf häufig ein Fall von pluralistischer Ignoranz. Die  Psychologieprofessorinnen Rebecca K. Ratner und Jacquie D. Vorauer haben in der Studie  „Wer macht den ersten Schritt?“ herausgefunden, dass Menschen, obwohl sie wissen, dass sie jemanden aus Unsicherheit nicht ansprechen, glauben, sie selbst würden nicht angesprochen, weil sie uninteressant seien.

Es gibt Wörter für Ihre Angst und Studien darüber. Sie sind nicht allein. Bleiben Sie es also nicht.

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Soll ich mich trotz schlechtem Gefühl bei ihm melden?

Zehn Jahre war ich in einer Beziehung, und schon seit  längerer Zeit hatte ich mich gefragt, ob es  noch Liebe war oder bloß Gewohnheit. Dann lernte ich  einen Mann kennen, mit dem mich intuitiv etwas verband. In der ersten Nacht haben wir uns sieben Stunden unterhalten, irgendwann später miteinander geschlafen.  Vor zwei Wochen trennte ich mich, weil der Neue eine Entscheidung wollte. Doch seither meldet er sich kaum noch. An diesem Wochenende sagte er, dass er mich lieben würde und mit mir zusammen sein will. Aber als ich ging, gab   er mir nur einen flüchtigen Kuss. Jetzt glaube ich, er sagt das alles nur, weil er mit mir schlafen will.  Soll ich mich weiterhin bei ihm melden?  (Katja, 29)
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