Er wollte gleich wissen, ob wir Sex haben

Ich habe vor zwei Jahren im Urlaub einen Franzosen kennengelernt. Zunächst habe ich den Kontakt einschlafen lassen. Im Februar dieses Jahres habe ich ihn dann ganz unverfänglich angeschrieben. Es stellte sich heraus, dass wir den Sommer wieder im selben Ort verbringen werden. Er fragte auch gleich, ob wir Sex haben werden. Er ist recht direkt, das könnte an seinem Drogenkonsum liegen. Wir schreiben nun fast täglich per WhatsApp, teilweise sehr intim mit Fotos. Bei Facebook blockiert er mich allerdings. Ich weiß überhaupt nicht, was er möchte. Handelt es sich bei ihm nur um eine lockere Sexaffäre für den Sommer? Eine Fernbeziehung könnte ich mir vorstellen. Ich würde auch gerne mit ihm schlafen und weiß über Verhütung Bescheid. Leonie, 17

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Mit ihm kann ich nicht sein, aber ohne ihn auch nicht

Einige Male schon habe ich versucht, meinen Freund zu verlassen, aber ich kann nicht ohne ihn! Mit ihm geht es jedoch auch nicht. Wencke, 33

Die Mutter einer Bekannten, die um die fünfzig ist, heiratete ihren Mann, obwohl sie einen anderen liebte. Sie fühlte sich verpflichtet. Die beiden bekamen fünf Kinder miteinander, sie wurde immer dünner und er immer dicker, obwohl sie den Kühlschrank mit einem Schloss verriegelte und den Schlüssel um ihren Hals trug. Weiterlesen

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Hätte ich ein anderes Leben haben können?

Mit 27 habe ich meinen damaligen Freund verlassen, weil es mir unvernünftig schien, mit ihm zusammenzubleiben. Er war amüsant, prickelnd, lebendig, aber er bekam einfach nichts auf die Reihe. Ich entschied mich für einen anderen, meinen jetzigen Mann, eigentlich in allem das Gegenteil. Nun langweile ich mich häufig und denke: Hätte ich ein anderes Leben haben können? (Rita, 35)

Vielleicht das größte Problem der Liebe ist, dass man nicht aufhören kann, wenn es am schönsten ist. Man hält entweder aus, bis man es nicht mehr erträgt – oder man beendet es tatsächlich auf dem Höhepunkt. Aber dann hört es nie auf.
Aufhören, wenn es am schönsten ist, das ist auch das Leitmotiv des großen Generation-X-Liebesfilms „Before Sunrise“. In einem Zug aus Budapest lernen sich Céline (Julie Delpy) und Jesse (Ethan Hawke) kennen. Am Ziel angekommen, überzeugt Jesse Céline davon, mit ihm auszusteigen, weil sie irgendwann in einer Beziehung feststecken und sich dann fragen würde, ob ihr Leben mit einem anderen Mann nicht glücklicher verlaufen wäre. So nun, lockt er sie, könne sie sehen, dass er genauso langweilig und unmotiviert sei wie alle anderen.
Es geht in „Before Sunrise“ also darum, präventiv die Geister der Vergangenheit auszutreiben – und das geht gründlich schief.
Nach einer gemeinsamen Nacht trennen sie sich im Morgengrauen, ein halbes Jahr später wollen sie sich wiedersehen. Aber Céline kann nicht zum vereinbarten Treffpunkt kommen, weil ihre Großmutter stirbt. So sehen sie sich erst neun Jahre später auf einer Lesung wieder, in der Fortsetzung des Films „Before Sunset“. Beide sind unglücklich in ihren Beziehungen, beide denken oft an Wien zurück, das Gespenst der ungelebten Liebe hat sie nicht losgelassen. Am Ende des Films sind sie in ihrer Wohnung, sie tanzt zu Nina Simones „Just in Time“.
Genau der richtige Moment: Wäre der damals gewesen oder heute?
Der Freund, den Sie verlassen haben, war amüsant, prickelnd, lebendig, aber es war offenbar nicht genug. Das war die Wirklichkeit. Was Sie heute mutmaßen, ist nur noch pure Nostalgie. Es gibt keine Ersatzrealität. Hätte er Ihnen genügt, hätten Sie ein anderes Leben haben können. Wenn Sie ein anderer Mensch gewesen wären. Aber Sie sind Sie.
Und warum überhaupt zurückschauen? Das Leben ist ja keine personell unterbesetzte Seifenoper. Sie können einen neuen Helden finden.

Die Liebe stellt Sie vor schwierige Fragen? Malte Welding gibt Ihnen eine Antwort. Schreiben Sie an: liebe@berliner-zeitung.de

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Was will ich von dem Mann, der mich nicht liebt?

Ich bin jung gebliebene 50 Jahre alt und habe mich letztes Jahr in einen Mann verliebt, der mir aber sagte, dass er keine feste Beziehung möchte und auch nicht in mich verliebt sei. Es ging jedoch weiter bei uns, freundschaftlich mit ein paar Zärtlichkeiten. Sex hat nicht richtig funktioniert. Es entwickelte sich so weit, dass ich samstags immer bei ihm übernachtete. Zwischen Weihnachten und Neujahr waren wir die ganze Zeit zusammen, haben gefeiert, und ich habe ihm im Haushalt geholfen. Dann kam der 30.12., ich hatte etwas zu viel getrunken und habe einen Streit mit ihm angefangen – einfach so. Danach war Funkstille – er hat sich nicht gemeldet, ich hab ihm blöde SMS geschickt. Nun bin ich traurig.

Roswitha, 50
Vielleicht hat uns die Evolution diese besänftigende Blindheit für den Partner mitgegeben, damit wir überhaupt andere Menschen ertragen. Meistens ist diese Blindheit also bestimmt sinnvoll. Sie würde ich allerdings am liebsten sofort zur Augenheilkunde überweisen.

Sie versuchen, einen Mann zu bekommen, der nicht in Sie verliebt ist, Ihnen das sagt, der keinen Sex mit Ihnen hat, weil das nicht funktioniert, und der nun seit knapp drei Monaten nicht mehr mit Ihnen spricht. Woran liegt das? Ich bin über Ihre Selbstbeschreibung gestolpert. Jung gebliebene 50 seien Sie. Nun sind Sie entweder so jung geblieben, dass Sie wie eine Fünfzehnjährige für jemanden schwärmen, der möglichst weit entfernt ist, um bloß nicht wirklich in eine erwachsene, überfordernde Beziehung gerissen zu werden. Oder Sie sind keineswegs jung.

Ihr Verhalten sieht eher nach Altersverzweiflung aus. Dann habe ich eben keinen Sex und keine echte Wertschätzung, aber wenigstens jemanden, der sich mit mir beschäftigt. Betrunken hatten Sie einen klaren Moment. Da wussten Sie plötzlich, dass Sie das nicht ertragen.

Sie wollen nicht einsam sein und binden sich an jemanden, der Sie nicht liebt, obwohl die Einsamkeit neben einem Menschen noch bohrender ist als das Alleinsein.  Sie sind nicht jung gebliebene 50, Sie sind erst 50! Vor ein paar Jahrhunderten hat man aus dem, was Sie noch vor sich haben, ein ganzes Leben von der Wiege bis zur Bahre gemacht.

Mit 50 treffen Sie die Entscheidung, ob Sie sich geistig in die Rente verabschieden wollen oder weiter Ihr Leben gestalten. Sie laufen auf eine Fata Morgana zu und wollen dann wissen, wie man dort an Wasser kommt. Gar nicht. Gehen Sie weiter.
Die Liebe stellt Sie vor schwierige Fragen? Malte Welding gibt Ihnen eine Antwort. Schreiben Sie an: liebe@berliner-zeitung.de

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