Will er nicht für Klarheit sorgen – oder kann er nicht?

Ich habe einen wunderschönen Sommer mit einem Mann erlebt. Körperlich ist aber nichts gelaufen, da wir beruflich so verbunden sind, dass das nicht gut gegangen wäre. Jetzt ändert sich diese berufliche Situation, und ich kämpfe darum, dass es mit uns weitergeht. Er sagt: „Glaub nicht, dass du nicht wichtig bist. Lass es auf dich zukommen.“ Konkreter wird er nicht.  Britta, 44

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Sind meine Gefühle für meinen besten Freund zu viel?

Ich wohne seit drei Jahren mit meinem Mitbewohner in einer WG. Er ist mein bester Freund. Wir haben eine sehr enge, aber keine sexuelle Beziehung miteinander. Manchmal schlafen wir zusammen in einem Bett und kuscheln – mehr nicht. Das ist schön, aber auch schwer für mich. Denn ich bin fixiert auf ihn, muss immer alles wissen, bin eifersüchtig. Er selbst will nicht mehr von mir und seit Kurzem scheint ihm auch die Nähe zu viel. Ich war wohl eine nette Zwischenlösung, und jetzt geht er weiter. Nur ich stehe noch an der gleichen Stelle, allein und mit dem Gefühl, mich in ihn verliebt zu haben. (Karo, 22)

In einer Folge der TV-Serie Seinfeld arbeitet die Figur Kramer in einer Firma, ohne dort im eigentlichen Sinne zu arbeiten oder auch nur angestellt zu sein. Ein Zufall hat dazu geführt, dass er an den Büroaktivitäten teilnimmt. Üblicherweise lebt er in den Tag hinein. Der nun auf einmal geregelte Tagesablauf tut ihm gut, er hat ein Sozialleben und Aufgaben.

Er ist nur nicht geeignet, diese Aufgaben zu erfüllen.

Weswegen der Chef der Firma ihn eines Tages zu sich ruft und rügt. Er erledige seine Arbeit fürchterlich, es habe den Anschein, als habe er so etwas noch nie gemacht. Daher müsse man ihn entlassen.

Worauf Kramer empört antwortet: „Aber ich arbeite hier doch nicht einmal!“

Das sei das Problem, sagt der Chef.

Obwohl er den Anforderungen nicht genügt, kann er nicht gefeuert werden, eben weil er nicht in der Firma arbeitet.

Vergleichbar ist Ihre Beziehung/ Nicht-Beziehung. Im Grunde sind Sie so etwas wie die Freundin ihres Mitbewohners, jedenfalls empfinden Sie es so. Allerdings haben Sie keine wechselseitige Einverständniserklärung gegeben. Und so beteiligen Sie sich irgendwie am Job. Sie führen die Gespräche, erledigen die Dinge, die anfallen, aber am Ende bleibt es dabei: Eigentlich arbeiten Sie dort nicht.

Ihr Freund/Nicht-Liebhaber kann sich nicht trennen. Obwohl er nicht in einer Beziehung mit Ihnen steckt.

Oder vielmehr gerade deswegen.

Für eine Trennung braucht man eine Beziehung. Mit Kumpels kann man nicht Schluss machen. Er zieht sich also etwas hilflos zurück.

Stecken Sie Ihre Energie, Liebe und Leidenschaft nicht in einen Job, für den Sie keinen Lohn bekommen. Das könnte überhaupt das Motto für die Generation Praktikum sein.

Zumal gilt: Je förmlicher die Beziehung, desto ausgeprägter der Kündigungsschutz.

Die Liebe stellt Sie vor schwierige Fragen? Malte Welding gibt Ihnen eine Antwort. Schreiben Sie an: liebe@berliner-zeitung.de

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Ist Liebe bei der Partnerwahl das falsche Kriterium?

Ich lese oft, arrangierte Ehen seien stabiler als Liebesheiraten. Ist Liebe vielleicht nur eine Mode, und ist es daher Quatsch, seinen Lebenspartner nach einem Gefühl auszusuchen? (Martin, 42)

 

Ton knetend formt man Gefäße. Doch erst ihr Hohlraum, das Nichts, ermöglicht die Füllung. Das Sichtbare, das Seiende, gibt dem Werk die Form. Das Unsichtbare, das Nichts, gibt ihm Wesen und Sinn.“ Sagt der Taoismus.

Sie kennen die Aufforderung, man solle jeden Tag wie seinen letzten leben? In der Realität würde das in ein Weltuntergangsszenario münden. Erst hätten alle noch mal Sex, dann würden sie sich betrinken (oder umgekehrt), dann führen keine Züge mehr (wegen geschlechtsverkehrender und betrunkener Zugführer) und schließlich gäbe es morgens beim Bäcker kein Brot, weil auch der Bäcker den Vortag gelebt hat, als wäre es sein letzter auf Erden.

Im Leben geht es darum, weder freudlos auf ein Ziel hinzuleben, noch das Morgen völlig aus dem Blick zu lassen. Und so braucht auch die Ehe eine Balance aus Augenblicksglück und Bausparvertrag.

Die Historikerin Stephanie Coontz hat in dem Buch „In guten wie in schlechten Tagen“ die Geschichte der Liebesheirat nachgezeichnet. Coontz schreibt, dass sich die Ehe in den vergangenen 30 Jahren mehr verändert habe als in den 3 000 Jahren zuvor. Liebe in der Ehe war einst unerwünscht, galt als zersetzend für die Gemeinschaft. Wobei die Menschen nicht ohne Liebe lebten. Ihren Blutsverwandten in der Großfamilie sollten ihr Herz und ihre tiefe emotionale Verbundenheit gehören.

Nun hat man heute in der Regel keine Großfamilie, und doch ist die Liebe in uns angelegt.

Ohne Liebe mache Ehre hochmütig, heißt es im Taoismus, Macht grausam, Pflicht verdrießlich, Besitz geizig, Glaube fanatisch, Wahrheit kritiksüchtig, Ordnung kleinlich, Gerechtigkeit hart, Sachkenntnis rechthaberisch, Freundlichkeit heuchlerisch und Verantwortung rücksichtslos.

Einige Hundert Jahre älter als das Christentum ist der Taoismus, Liebe war auch da schon wichtig. Nicht die zum Partner, aber als Lebensprinzip, als das, was Sinn gibt.

Liebe zwischen Ehepartnern scheint mir eine kulturelle Entwicklung, auf die ich so wenig verzichten möchte wie auf eine warme Dusche.

Natürlich ist die Ökobilanz beim Baden im eiskalten See besser. Aber an seinem letzten Tag würde man doch gerne warm duschen wollen. Und die Frau an seiner Seite lieben können.

Die Liebe stellt Sie vor schwierige Fragen? Malte Welding gibt Ihnen eine Antwort. Schreiben Sie an: liebe@berliner-zeitung.de

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Wäre es dumm, meine Affäre wieder aufleben zu lassen?

Im vergangenen Jahr hatte ich eine kurze Affäre, zwei Treffen, mit einem Mann, der ebenso wie ich verheiratet ist. Ich habe das Verhältnis aus Vernunftgründen beendet, doch ich denke oft an diese Leidenschaft zurück und überlege, die Affäre wieder aufleben zu lassen. Aber natürlich habe ich Angst, meine Ehe und damit auch meine ganze Familie zu gefährden. Denn mit meinem Mann habe ich sonst alles. (Sonja, 39)

Am leidenschaftlichsten kommt uns oft ein Verhältnis vor, das nichts anderes war. Wer würde bei seinem Ehepartner zuerst an Leidenschaft denken?

Der Ehemann ist ein fabelhafter Fußwärmer, ein begnadeter Kofferpacker und der Größte unter den Zwei-Gerichte-Köchen. Und ja, bestimmt auch leidenschaftlich, klar.

Leidenschaft ist in unseren Köpfen verknüpft mit dem, was nicht geht. „Salz auf unserer Haut“, eine Intellektuelle und ein einfacher Fischer. „Dornenvögel“, ein Priester und ein junges Mädchen. „Basic Instinct“, ein Polizist und eine Mörderin. Ehe aber, das staatlich geförderte Institut zur Vermehrung der Bevölkerung, vernünftig wie ein Sparkonto und vorhersehbar wie Erste-Mai-Demos, die kriegt man im Kopf schwer überein mit fiebriger Ferkelei.

„Du hattest nie einen One-Night-Stand mit mir!“ Das ist der absolut zutreffende, leicht irre Vorwurf, der unausgesprochen jeder Ehe innewohnt. Also fehlt nicht jeder Ehe das Sich-Verschwenden, das Nur-Körper-Sein?

Leidenschaft, die echte, nicht die der Hollywood-Regisseure, entsteht durch Nähe, im Ineinanderaufgehen. Wie leidenschaftlich man gewesen ist, als man seine Kinder zeugte! Die Zeugung ist ja heute meistens ein bewusster Vorgang. Man setzt die Pille ab, man weiß, es könnte jetzt hinhauen, man gibt in diesem Moment alles hin, man schenkt dem anderen seine gesamte Zukunft.

Sind da ein paar Kratzer auf dem Rücken im Vergleich wirklich so spektakulär?

Die amerikanische Drehbuchautorin Nora Ephron („Harry und Sally“) sagte: „In meinen Sexfantasien liebt mich niemand wegen meines Verstands.“ In den Fantasien. In der Realität sind zwei Tage Leidenschaft schnell eine Woche ohne Gespräch.

Ohne etwas über Ihre Ehe zu wissen: Meist nimmt man sich zu wenig Zeit füreinander. Und über die aneinander vorbeigelebten Tage wird, was einmal gekocht hat, zum lauwarmen Aufguss.

Sicher, Sie brauchen Leidenschaft, und vielleicht ist der andere Mann der richtige dafür. Aber zunächst wäre es fair, der Leidenschaft mit jenem nachzuforschen, der auch den Rest bietet.

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