Ich fühle mich nicht wohl mit meinem Körper

Vor drei Jahren hatte ich zum ersten Mal Sex, seitdem hatte ich einige Freunde, aber habe mich immer unwohl gefühlt, wenn es um etwas ging, das Nacktsein und dergleichen mit sich bringt. Ich sehe einfach nicht aus, wie man auszusehen hat. Überall sehe ich perfekte Körper beim Sex, selbst amerikanische Hausfrauen mit drei (Film-)Kindern haben einen flacheren Bauch als ich. Aber ich schaffe es einfach nicht, meinen Körper zu ändern.

Paula, 19

Wenn es um die mediale Darstellung von Sex geht, kommt mir eine Szene aus dem Film „Falling Down“ in den Sinn. Dort beschwert sich der arg überspannte, nervlich bereits am Rande eines gewaltsamen Ausbruchs stehende Kunde, gespielt von Michael Douglas, darüber, dass der Burger nicht aussieht wie in der Werbung.
Es ist eine kaum zu bestreitende Tatsache: Nicht nur Fast Food, auch Dosenessen, Speiseeis, ja sogar Neuwagen sehen nicht aus wie in der Werbung.
Aber bei den meisten Menschen führt diese Diskrepanz nicht zu einem Amoklauf, sondern zu einem höheren Genuss. Man isst das Bild des Burgers mit, das Brötchen wirkt knuspriger, das Eis fluffiger und mit dem Neuwagen ist sogar der Stau eine Freude.
Kann es nicht also sein, dass Sex, wie er im Fernsehen aussieht, eine Werbung ist für den ansonsten recht prosaischen Akt?
Kommt es einem nicht vielleicht sogar zugute, wenn man mit seinem unsportlichen, bleichen Körper ungelenk herumturnt, dass der Partner Sex assoziiert mit etwas Schönem?
Die meisten Körper wären Ihrer These zufolge unüblich. Und da muss man nicht einmal Couchkartoffeln heranziehen – auch Gewichtheber, Eisläuferinnen und Hochspringer sieht man nicht beim Sex und selbst völlig den Regeln entsprechende Hinterteile werden von Body Doubles gespielt.
Aber keine Sorge: Der Partner beim Sex ist in der Regel viel weniger streng als ein Castingdirektor. Der möchte nämlich gerade Sex haben und kann sich mit Dellen, Stellen und anderen Quellen der Selbstzerfleischung nicht befassen. Man wird als real existierender Geschlechtspartner nicht als zweidimensionales Bild wahrgenommen, sondern als alle Sinne beschäftigende Erscheinung.
Sie riechen nach irgendetwas und vielleicht riechen Sie betörend, Sie klingen, Sie fühlen sich an, Sie berühren auf eine bestimmte Art und vielleicht sind Sie ja auch noch ausgesprochen pervers oder sogar lustig und wissen über Philosophie Bescheid.
Unter Freunden: Was ist Orangenhaut verglichen mit einem gut gesetzten Sexualscherz oder dem Geruch gleich unterhalb des Ohrläppchens?

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