Sind alle Guten schon weg?

Ich dachte immer, dieser Satz sei ein Klischee, aber jetzt, mit 43 denke ich: Es stimmt wirklich, alle Guten sind schon weg. Was mache ich denn da?
Kirsten, 43

Als ich 16 oder 17 war, nahm ein guter Freund meine Hand und las in ihr. Er wollte mir irgendetwas beweisen und ich ließ ihn also lesen. Eine einzige Prophezeiung ist mir in Erinnerung geblieben.
Es werde drei Frauen in meinem Leben geben.
Nun gab es drei Frauen zu jedem Zeitpunkt in meinem Leben. Als ich ein ganz kleines Kind war, waren es meine drei Schwestern, später wäre auf jeden Fall Sabine Görlich darunter gewesen und mit Sicherheit auch Anja Krüger, gar nicht zu reden von den ersten drei Mädchen, die ich geküsst habe oder auch unsere Klassenschönheiten.
Wenn ich optimistisch bin, ist jetzt die Mitte meines Lebens, und wenn es drei Frauen in meinem Leben gegeben haben soll, dann weiß ich, wer diese drei Frauen waren.
Und bei jeder dieser drei Frauen gab es einen ganz bestimmtem Moment während wir zusammen waren. Ich habe sie alle drei einmal einige Augenblicke beobachtet, bevor sie mich gesehen haben. Und bei allen drei veränderte sich etwas in ihrem Wesen, als sie mich sahen.
Vor einigen Tagen habe ich etwas in einem Forum gelesen, das die Antwort auf Ihre Situation gibt. Ein anonymer Nutzer hat es geschrieben, er erzählte, dass ihm eine Freundin genau das gesagt hatte, was Sie nun sagen, und er sagte darauf: „Weißt du eigentlich, wieviel leichter es ist, selbstbewusst zu sein, cool zu sein, freundlich zu sein, wenn du in einer liebevollen dauerhaften Beziehung bist? Wenn du jeden Tag bestärkt wirst?“ Er schloss: „Vielleicht sind nicht die Guten vergeben, vielleicht macht das Vergebensein sie gut.“
Ich glaube, das ist es. Diese Momente, in denen die Frauen mich sahen und anfingen zu strahlen – natürlich fühlte ich mich dadurch besser, natürlich war ich dadurch gut.
Was für Sie doch nur heißen kann: Wenn Sie jemanden lieben, dann wird er gut.
Wenn ein junges Mädchen mit 17, 18 hübsch ist, muss sie das Gefühl haben, jeden Mann haben zu können. Und dieses Gefühl verliert sie irgendwann. Aber wenn sie mit 40 einen Moment aus ihrem Selbstmitleid erwacht, weiß sie genau, dass sie nicht mehr 18 sein will. Erwachsenensein bringt einen unausgeglichenen Faltenhaushalt, schlechteren Nachtschlaf und einen nachdenklich stimmenden Kleidungsgeschmack mit sich. Aber man weiß so viel besser, wie man einen anderen gut machen kann, dass für Trübsal kein Platz mehr bleiben sollte.

Post to Twitter

2 Gedanken zu “Sind alle Guten schon weg?

  1. Jemand der vergeben ist, beweist dadurch (gefühlt) seine Beziehungsfähigkeit. Bei Singles mutmaßt man über die Gründe für die Bindungslosigkeit – man hat ja schon so einiges erlebt…
    Will er nicht, kann er nicht, ist er im Verarbeitungsprozess?!?

    Das ist das, was im Kopf vorgeht.

    Tatsache ist, dass zwei Menschen einfach passen müssen, dann werden Dinge möglich, die mit den allermeisten anderen nicht gehen.

    Ich bin Mitte 40 und hab seit 9 Monaten eine Partnerschaft, die so schön, leicht und beglückend ist, wie ich das noch nie empfunden habe. Wir waren beide lange, sehr lange Single. Ich wollte mich nie mit lauwarm abfinden, mehr ging mit anderen einfach nicht. Hier geht wunderschön warm. Und heiß 😉

    Ich habe die Single-Zeit genutzt, mich mit meiner Beziehungfähigkeit auseinanderzusetzen, statt Gedanken aufkommen zu lassen, wie den, dass die Guten weg sind und ansonsten Spaß zu haben (ging aber auch nicht immer, ehrlicherweise…). Und ich glaub, die Reife, die dadurch entstanden ist, trägt dazu bei, dass bleibt, was mich gefunden hat…

    • Nachtrag:
      Wir haben übrigens festgestellt, dass wir zu früheren Zeiten in unserem Leben nichts aneinander gefunden hätten und erst jetzt richtig gut harmonieren.

      Menschen entwickeln sich. Schon allein deshalb kann der Satz mit den Guten gar nicht stimmen…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.